Biotech meets Big Data: Osborne Clarke lud zum Aufgalopp der Biotechtage Experten zum Erfahrungsaustausch

Written on 22 Apr 2015

Big Data eröffnet medizinischen und pharmazeutischen Unternehmen enorme Möglichkeiten zur Entwicklung innovativer und hochwirksamer Behandlungsmethoden. Oft werden hierfür besonders sensible Gesundheitsdaten verwendet, deren Verarbeitung an strenge Zulässigkeitsvoraussetzungen geknüpft ist. Chancen und Herausforderungen in diesem Bereich diskutierten Experten aus Unternehmen der Gesundheitsbranche, von Biotech- und Pharmaunternehmen auf einer Veranstaltung der Kanzlei Osborne Clarke. Am Vorabend der Deutschen Biotechnologie-Tage in Köln zeigte sich dabei, dass nicht nur medizinische und rechtliche Aspekte eine Rolle spielen.

Nach der Begrüßung durch Dr. Andrea Schmoll, Partnerin im Bereich Life Sciences & Healthcare bei Osborne Clarke, erläuterte Datenschutzexperte Marian Arning die besondere Anforderungen an den Datenschutz in der personalisierten Medizin. Die Verwendung personenbezogener Daten bedürfe oftmals einer Einwilligung, die grundsätzlich zweckgebunden und für den konkreten Fall erteilt werden müsse. Arning stellte aber pragmatische Lösungen im Rahmen der geltenden Gesetze vor. Besonderes Interesse fand der Weg der „Pseudonymisierung“ von Daten, bei dem ggf. sogar auf eine Einwilligung verzichtet werden kann. Die Pseudonymisierung erfolgt dabei über eine unabhängige Institution, die die Schlüssel treuhänderisch verwaltet, anhand derer die für die Forschung / personalisierte Medizin verwendeten Daten der betroffenen Person zugeordnet werden können; der Experte setzte dieses Modell bereits erfolgreich in der Praxis um.

Dr. Andreas Schmidt, CEO der Ayoxxa Biosystems, stellte vor, wie Big Data dem gesamten Geschäftsmodell seines Unternehmens neue Perspektiven eröffnet. Vom Hersteller eines Kits zur Multiplex Protein Analyse könne sich das Start-up zur Datenplattform für wesentlich komplexere Prozesse entwickeln. Schmidt sieht in Big Data große Chancen zur Erschließung neuer Märkte mit zweistelligen Milliardenvolumina: „Wir entwickeln kontinuierlich neue Technologien; womit wir dann letztlich Geld verdienen können, steht dabei wie bei vielen anderen jungen Unternehmen am Anfang nicht immer fest.

Über die personalisierte Krebstherapie berichtete Dr. Kai Pinkernell, Global Head of Clinical Business der Miltenyi Biotec. Individualisierte Behandlungsmethoden für Patienten böten große Chancen, stellten die Unternehmen allerdings auch vor neue Herausforderungen, etwa durch die Vorschriften des Arzneimittelgesetzes. Diese würden z.B. in England wesentlich pragmatischer behandelt als in Deutschland. Die Nachfrage der Patienten nach Gesundheitsdaten, so Pinkernell, wachse kontinuierlich – immer mehr Menschen wollen durch Genomanalysen Gesundheitsrisiken erkennen. Das koste natürlich alles sehr viel Geld und es stelle sich die Frage, ob der Aufwand das Ergebnis rechtfertige. In diesem Bereich müssten auch ethische Fragen diskutiert werden.

Big Data und Biotech, so ein Fazit der Teilnehmer bei der abschließenden Diskussion, bieten große Chancen aber in vielen Bereichen stehen Wissenschaft und Industrie noch am Anfang der Entwicklung. Zahlreiche Themen werden auch auf den Deutschen Biotechnologie-Tagen in Köln diskutiert.