Die European Company Lawyers Association (ECLA) hat in Kooperation mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke europaweit über 400 General Counsel zu Status-quo und Perspektiven im Umgang mit den Herausforderungen Daten-basierter Geschäftsmodelle befragt.

Der ECLA Report „Data-Driven Business Models - the role of legal teams in delivering success“ befragte General Counsel in den Sektoren: Energy & Utilities, Retail & Consumer, Financial Services, Lifesciences & Healthcare, Real Estate & Infrastructure, Technology, Media & Communications sowie Transport & Automotive.  Der Report wurde von der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke in Auftrag gegeben, die eng in die Ausarbeitung des Konzepts und des Inhalts eingebunden war. 

Der Report liefert wertvolle Analysen und Benchmarkings zu den verschiedenen Sektoren und umfasst Expertenbeiträge zu relevanten rechtlichen Fragestellungen rund um den Themenkomplex „daten-basierte Geschäftsmodelle“.

Dr. Jens Schefzig, Partner bei Osborne Clarke und IT- und Datenschutzexperte, kommentiert: „Europäische Unternehmen sind von der Datenregulatorik in weiten Teilen überfordert. Das ist ein wichtiges Ergebnis. Denn wir sehen in unserer Beratung, dass ein sehr gutes Verständnis dieser Regulatorik erforderlich ist, um erfolgreich Daten-basierte Geschäftsmodelle umzusetzen. Wenn das Verständnis fehlt, verschwenden Unternehmen im schlimmsten Fall Geld und Zeit. Die bereits geplante weitere Regulierung wird die Situation verschärfen.“

Elisabeth Macher, Counsel bei Osborne Clarke und IP-Expertin ergänzt: „Zugang zu Daten ist schon jetzt eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Das sehen wir täglich in unserer Beratungspraxis insbesondere im Automobilsektor. Mit zunehmender Digitalisierung und fortschreitender europäischer Gesetzgebung wird die Möglichkeit, Daten zu generieren oder zu erlangen, an Bedeutung noch weiter zunehmen. Die Studie hat gezeigt, dass viele Unternehmen beim Zugang zu Daten aus externen Quellen erhebliche Schwierigkeiten haben; gleichzeitig bleiben manche Datenquellen möglicherweise ungenutzt. Erfolgreiche Strategien für datengetriebene Geschäftsmodelle werden sich damit befassen müssen, wie der Zugang zu Daten gesichert und notfalls auch durchgesetzt werden kann.“

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Die Umgestaltung von Unternehmen und Märkten durch die Digitale Transformation und die Umsetzung Daten-basierter Geschäftsmodelle rücken Rechtsabteilungen zunehmend auch in die Rolle eines Mitgestalters von Wachstum und Wandel. 

  • 67 % der befragten Unternehmensjuristen geben an, dass der rechtliche und regulatorische Rahmen für Daten das größte Hindernis für die Umsetzung Daten-basierter Geschäftsmodelle in ihrem Unternehmen darstellt 
  • 62 % der europäischen Unternehmen bieten bereits Daten-basierte Produkte/Dienstleistungen an
  • 65 % der europäischen Unternehmen nutzen dabei vorhandene interne Daten, die ursprünglich nicht für diesen Zweck vorgesehen waren
  • 82 % der europäischen Unternehmen nutzen von Kunden bereitgestellte Datensätze

Hindernisse

Die am häufigsten genannten Hindernisse für die Umsetzung Daten-basierter Geschäftsmodelle sind:

  • 67 % der teilnehmenden Juristinnen und Juristen nannten rechtliche und regulatorische Herausforderungen
  • 68 % halten den europäischen Rechtsrahmen für zu komplex
  • Nur 11 % sind der Ansicht, dass ihr Unternehmen gut auf die rechtlichen Herausforderungen Daten-basierter Geschäftsmodelle vorbereitet ist und nur 26 % gaben an, dass sie auf Vorstandsebene über Fachwissen zu solchen Modellen verfügen
  • Die Cybersicherheit stellte für 38 % der Unternehmen ein Hindernis dar.

Datenstrategie

In dem Maße, in dem Daten zu einem immer wertvolleren Asset für Unternehmen, wird eine Datenstrategie immer wichtiger.

  • Nur 36 % der befragten Unternehmen verfügen über eine Datenstrategie
  • Nur 47 % machen sich Gedanken über die ethischen Aspekte ihrer Datennutzung
  • Obwohl 40 % der befragten Unternehmen in ihren Verträgen Bestimmungen haben, die über die Einhaltung des Datenschutzes hinausgehen, waren nur 16 % der Meinung, dass die Rechtsabteilung die Datenstrategie (sofern vorhanden) umgesetzt hat.

Datenstrategie und Data Governance sind Bereiche, in denen eine Rechtsabteilung einen erheblichen Mehrwert für ihr Unternehmen schaffen kann, indem sie die verschiedenen relevanten Interessengruppen zusammenbringt, um diese Richtlinien für das gesamte Unternehmen zu entwickeln, anstatt sie als Angelegenheit des IT-Teams zu betrachten. 

Mit dem Aufkommen von ESG-Richtlinien muss die Datenstrategie Beschaffungsprozessen und weiteren Funktionen und Prozessen im Unternehmen angepasst werden. All dies bietet Inhouse Juristen die Möglichkeit, einen erheblichen Mehrwert für ihr Unternehmen zu schaffen, indem sie sowohl Risiken managen als auch Effizienzgewinne und Marktchancen identifizieren.

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