Auch Finanzsektor von Corona infiziert

Written on 2 Apr 2020

Der Corona-Virus (SARS-CoV-2 bzw. bei Erkrankung COVID-19) – oder jedenfalls dessen Auswirkungen – sind längst auch im Finanzsektor angekommen. Welche Folgen zeitigt der Virus bereits jetzt für Banken und FinTechs?

Die Ausbreitung des Corona-Virus trifft auch den Finanzsektor – und dies in mehrfacher Hinsicht. Einerseits vermelden auch immer mehr Finanzdienstleister in Deutschland Fälle von Mitarbeitern, die sich mit dem Virus infiziert haben. Andererseits sind aber auch die Institute selbst von der Krise rund um Corona und dessen Folgen betroffen. Dies zeigen insbesondere die Börsenkurse vom 12. März 2020: Bei Deutscher Bank, Commerzbank und Aareal fiel der Börsenkurs um jeweils etwa 20 %. Die neun börsennotierten Banken und FinTechs (darunter Deutsche Bank, Commerzbank, Aareal bzw. Creditshelf oder Hypoport) im regulierten Markt verloren seit Mitte Februar rund EUR 28 Mrd. bzw. 44% ihres Börsenwerts.

Auch die Börsen reagieren also auf die Tatsache, dass große Teile des öffentlichen Lebens und damit auch der Wirtschaft über eine längere Zeit stillgelegt werden könnten. Schwierigkeiten könnte dies auch etwa für Banken im Wertpapierhandel bedeuten, haben diese doch die relevanten Systeme aufgrund MaRisk-Regulierung auch in Notfällen aufrecht zu erhalten. Neben diesen Nahfolgen kommen auf lange Sicht dann noch negative Fernfolgen: Noch nicht absehbar sind beispielsweise die Schäden, die daraus entstehen, dass Unternehmen infolge von Produktionseinstellungen Kredite nicht zurückzahlen können.

Betroffen sind aber nicht nur die klassischen Banken, sondern auch FinTechs. Wo weniger Leute einkaufen gehen, werden beispielsweise auch weniger Kreditkarten genutzt und entsprechende Transaktionen durchgeführt. Auch die innovativsten Zahlungsmöglichkeiten helfen dem Unternehmen nichts, wenn sie nicht vom Nutzer angenommen werden (können). Im hart umkämpften Markt der FinTechs werden sich die Folgen der Corona-Krise daher ggf. zeigen. Ob diese sinkenden Erträge flächendeckend und vollständig durch Erträge bei Online-Bestellungen kompensiert werden können, ist angesichts möglicher Ausfälle / Arbeitseinstellungen von Paketboten / Lebensmittelversand mehr als fraglich.

Daher werden bereits konkrete Schritte zur Erleichterung für Finanzdienstleister geplant, um die Auswirkungen der Krise auf diese ein wenig einzudämmen: so wird etwa erwogen, die behördlichen Stresstests 2020 zu verschieben oder Erleichterungen bei der Bildung des sog. antizyklischen Kapitalpuffers vorzusehen. Hintergrund ist aber nicht nur die Sicherung der Funktionsfähigkeit des Finanzsystems.

Banken und Finanzdienstleister sollen vielmehr Wirtschaft und Privatpersonen nach der Krise helfen, die durch die Auswirkungen des Virus eingetretenen finanziellen Probleme zu überwinden. So hat beispielsweise die Banco Santander in Spanien eine spezielle Kreditlinie für kleine und mittlere Unternehmen eingerichtet, die von staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus betroffen sein könnten. In Deutschland soll die erleichterte Möglichkeit der Anmeldung von Kurzarbeit zumindest mittelbar auch die Folgen in der Finanzbranche eindämmen.